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Machbarschaft Borsig11

Die Dortmunder Nordstadt ist gastfreundlich und kreativ. Zu ihren Qualitäten gehört die multikulturelle Gesellschaft mit ihren Problemen und Chancen. Berlin, London oder New York profitieren von ihrer Internationalität. Dort sind häufig gerade die marginalisierten Stadtteile besonders nah am Puls der Zeit. Günstige Mieten und Freiraum für neue Ideen ziehen Kreative aus aller Welt an, die das Quartier kulturell bereichern und ein innovatives Milieu schaffen, das weitere Entwicklung in Gang setzt. Dortmund ist nicht Paris, aber die Urbanität am Borsigplatz bietet für eine kreative Unternehmung besondere Bedingungen, die man spezifisch nutzen kann. Das Quartier ist wie ein Brennglas, in dem sich gesellschaftliche Entwicklungen bündeln, die unser aller Zukunft bestimmen.

2-3 Straßen, 2010

Im Europäischen Kultuhauptstadt-Jahr 2010 sind wir auf Einladung des Künstlers Jochen Gerz als Teilnehmer*innen von “2-3 Straßen. Eine Ausstellung in Städten des Ruhrgebiets” hierher gekommen. Ein Jahr lang haben wir mietfrei gewohnt, zusammen mit unseren Nachbarn an einem gemeinsamen Text geschrieben (insg. 800 Autoren) und an einer sozialen Plastik mitgewirkt. Solziale Kreativität wurde zum Gestaltungsprinzip der Kunst ebenso wie des alltäglichen Zusammenlebens. Wir haben miterlebt, wie “Kunst sich auflöst in Gesellschaft wie Aspirin im Wasser – und wirkt.” In der Nachfolge von “2-3 Straßen” haben wir die Herausforderung angenommen, das Experiment mit der Wirklichkeit weiterzutreiben.

Machbarschaft Borsig11

Machbarschaft Borsig11 e.V. wurde im Juni 2011 als Verein gegründet mit dem Ziel einer lokalen multikulturellen Bürgergesellschaft. Das Projektbüro am Borsigplatz wird von der Vivawest Stiftung zur Verfügung gestellt. Von hier aus praktizieren wir interkulturellen Austausch und kreative Stadtentwicklung, erproben partizipative Gesellschaftsformen, faire Wirtschafts- und nachhaltige Lebensformen im direkten nachbarschaftlichen Umfeld. Borsig11 ist ein Labor, ein Inkubationszentrum für kulturelle, soziale und ökonomische Praktiken, das die Gegebenheiten vor Ort aufnimmt und neue Möglichkeiten sichtbar macht. Innovation muss nicht jedes mal das Rad neu erfinden. Träger der Entwicklung ist die Bevölkerung vor Ort. Wir arbeiten an einer lokalen Öffentlichkeit, die in der Lage ist, Krisen als Chancen zu nutzen und selbst in Aktion zu treten. Kreativität als erneuerbare soziale Energie ist und bleibt die grundlegende Ressource, die uns dabei zur Verfügung steht.

Dein Beitrag verändert dein Quartier

Soziale Kreativität ist ansteckend. Sie ist Voraussetzung und Ziel gesellschaftlicher Veränderung, und sie ist der Grund für die nachhaltigen Wirkungen im Quartier. Unsere Arbeit besteht darin, Anlässe und Gelegenheiten zu schaffen, bei denen Selbstwirksamkeit erfahrbar wird. Viele müssen erst wieder lernen, den eigenen Beitrag wertzuschätzen. In vielen einzelnen gemeinsamen Aktivitäten wird das Prinzip kollektiver Autorschaft kultiviert: Coworking-Space, Givebox, Nachbars Garten, Weltbücherei, Hofkultur, Kreatives Adressbuch, Street-Soccer-Turnier, Workshops, Ausstellungen, Musiksessions u.v.m. In einem offenen Netzwerk, das unterschiedlichste Initiativen unter einem Dach vereinigt, entstehen immer neue soziale Strukturen, die weitere kreative Beteiligung ermöglichen.

Projekte

Ein Beispiel ist die YOUNGSTERS Akademie. Kinder und Jugendliche sind oft neugieriger als Erwachsene und erkunden gerne ihre kreativen Fähigkeiten. Im gegenwärtigen Schulsystem dagegen wird Wissen großenteils reproduzierend angeeignet. 2013 hat Machbarschaft Borsig11 mit Hilfe der BVB-Stiftung “leuchte auf” ein Reporter-Projekt ins Leben gerufen, in dem Jugendliche aus dem Quartier die Möglichkeit haben, praktisches Wissen und berufliche Perspektiven selbst zu erschließen. Bis heute haben die YOUNGSTERS über 50 Video-Reportagen produziert, und das Projekt arbeitet inzwischen mit mehreren Schulen zusammen.

2014/15 hat Machbarschaft Borsig11 in Kooperation mit der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft das Projekt “Public Residence: Die Chance” (faktor kunst Preis 2013) realisiert. In diesem künstlerisch-sozialen Experiment wurde eine eigene Währung (Chancen) zur Förderung sozialer Kreativität eingeführt. Chancen sind bares Geld, mit dem man zwar nichts kaufen, mit dem man aber etwas machen kann, für die Gemeinschaft. 100.000 Chancen wurden im Quartier verteilt. Vier Künstler*innen wohnten ein Jahr lang in “Public Residence”, um den kreativen Prozess zu moderieren, an dem sich über 500 Bewohner*innen beteiligt haben. Nach dem Ende des Projekts haben sie die Initiative ergriffen und betreiben seither in Eigenregie ein kulturelles Programm im Chancen-Café 103.

2016 wurde die Chancen-Währung mit dem N.I.C.E. Award für soziale Innovation ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit der KulturMeileNordstadt e.V. und ConcordiArt e.V. haben wir mit Hilfe von ecce 2017 die Anerkennung der Dortmunder Nordstadt als Kreativ.Quartier erreicht. Das kreativ-touristische Initialunternehmen ist das Gästewohnungs-Projekt appARTment.ruhr, das Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammenbringt – von Künstlern und Kreativen über die Wohnungswirtschaft und städtische Institutionen bis zu Einzelhändlern und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Zwei Modellwohnungen, zur Verfügung gestellt von Vivawest Wohnen GmbH, werden künstlerisch gestaltet und sollen Besuchern ab Sommer 2018 ermöglichen, die Dortmunder Nordstadt von einer neuen Seite kennenzulernen. Erlöse fließen in gemeinnützige kulturelle Projekte zurück. Das Konzept hat 2017 den #urbanana Award (Preis für kreativen Städtetourismus in NRW) erhalten. appARTment.ruhr wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.

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